Was passiert, wenn Frauen anfangen zu reden

07.05.2026

Unser erstes Community-Event hat etwas in Bewegung gebracht. Frauen teilten persönliche Geschichten – über Scham, Stille und die Stärke, die entsteht, wenn man sich endlich gehört fühlt.

Es war ein Abend, den wir so nicht geplant hatten. Wir hatten einen Film gezeigt, ein Panel zusammengestellt, einen Raum geschaffen. Was dann passierte, war mehr als das.

Unser erstes hermaid Community Cinema Event in Berlin liegt hinter uns – und wir sind noch immer bewegt. Gezeigt haben wir The (M) Factor 2: Before The Pause, einen Dokumentarfilm über Perimenopause von Women in the Room Production & Take Flight Productions. Der Film kommt aus den USA. Aber das hat nichts daran geändert, wie sehr er uns allen etwas gegeben hat.

Wenn der Film das Gespräch erst möglich macht

Der Dokumentarfilm hat etwas Wichtiges geleistet: Er hat Grundlagen gelegt, ohne dass unser Panel sie erklären musste. Symptome, Prävention, Hormontherapie – das hatte der Film bereits getan. Dadurch konnte unser Gespräch tiefer gehen.

Unser Panel – bestehend aus Melanie de Jong (Ernährungsberaterin und Menopause Survior), Dr. Claire Gräf (FemTech Germany) und Susanne Feldt (hermaid) – hat sich auf das konzentriert, was wirklich zählt: Was müssen wir jetzt tun? Was muss sich in Europa ändern?

Konkret gesprochen wurde über Datenlücken in der Forschung, fehlende Finanzierung, die geringe Aufklärung innerhalb der Ärzteschaft – und über erste Pilotprojekte, die Hoffnung machen. Über das Potenzial von Technologie, aber auch von Kunst, um Menschen wirklich zu erreichen.

Die Frühmenopause – größer als gedacht

Offiziell trifft die frühzeitige Menopause (Premature Ovarian Insufficiency, POI) etwa 1–2 % aller Frauen unter 40.1 Das klingt wie eine kleine Zahl.

Als eine Teilnehmerin offen über ihre eigene Erfahrung mit der Frühmenopause sprach, sagte sie, es kamen danach viele andere Frauen auf sie zu. Leise. Persönlich. Mit derselben Geschichte. Das zeigt, was wir längst vermuten: Die echte Zahl ist deutlich höher. Die Forschung spricht von einer erheblichen Dunkelziffer – denn viele Frauen erkennen die Symptome nicht, werden fehldiagnostiziert oder schweigen schlicht aus Scham.2 Dazu kommt: Die Forschung zu Perimenopause und POI steckt noch in den Anfängen. Viele Fragen sind offen, vieles wird erst jetzt ernst genommen.3

Scham – das Thema, das den Abend verändert hat

Gegen Ende des Abends kam ein Thema auf, das den Raum still werden ließ: Scham. Constanze Baier, Periodenaktivistin aus Berlin sprach dies an.

Scham, wenn der eigene Körper sich verändert – und man nicht weiß, warum. Scham darüber, mit der Partnerin oder dem Partner zu sprechen, mit den Kindern, mit Kolleginnen und Kollegen. Die Angst, nicht ernst genommen zu werden. Die Sorge, schwach zu wirken.

Besonders berührt hat uns die Situation von Frauen nach onkologischen Eingriffen, die mit einer sogenannten "surgical menopause" umgehen müssen – oft abrupt, oft ohne ausreichende Begleitung, oft völlig allein.4 Die medizinischen und emotionalen Herausforderungen sind dabei erheblich – und werden im Gesundheitssystem noch immer zu wenig adressiert.

Diese Offenheit im Raum war ein Geschenk. Für uns alle.

Was das mit dir zu tun hat

Vielleicht kennst du dieses Gefühl: Du bemerkst etwas an deinem Körper – und weißt nicht, ob du drüber sprechen sollst. Ob das normal ist. Ob jemand versteht, was du meinst.

Du bist nicht allein damit. Weder mit den Symptomen noch mit dem Schweigen darum herum. Genau deshalb bauen wir hermaid: Einen Ort, an dem du Informationen findest, die zu dir passen – und Menschen, die zuhören.

Wir glauben: Die Wechseljahre sind kein Abschluss. Sie sind ein Anfang. Eine Chance, dich selbst besser kennenzulernen, in deine Gesundheit zu investieren und die Unterstützung zu bekommen, die du verdienst.

💡
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In der hermaid App kannst du Symptome tracken, Fragen stellen und mit erfahrenen Fachleuten sprechen.https://download.hermaid.me/

Quellen

  1. European Society of Human Reproduction and Embryology (ESHRE). Management of women with premature ovarian insufficiency. ESHRE Guideline, 2016. academic.oup.com
  2. Mishra, G.D., et al. (2019). EMAS position statement: Premature ovarian insufficiency. Maturitas, 123, 151–154. doi.org/10.1016/j.maturitas.2019.03.008
  3. Shuster, L.T., et al. (2010). Premature menopause or early menopause: long-term health consequences. Maturitas, 65(2), 161–166. doi.org/10.1016/j.maturitas.2009.08.003
  4. Baber, R.J., et al. (2016). 2016 IMS Recommendations on women's midlife health and menopause hormone therapy. Climacteric, 19(2), 109–150. doi.org/10.3109/13697137.2015.1129166

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